In 4 Schritten den Tag zur Nacht blitzen

Ein Thema, zu dem ich schon lange ein Video machen wollte. Wie mache ich mit Blitzen den Tag zur Nacht? Das Prinzip ist schnell erklärt aber wie immer liegt der Teufel am Ende in der richtigen Balance der Kameraeinstellungen. Und wie bei so Vielem hilft nur ausprobieren, denn jede Location ist ein wenig anders und das gilt insbesondere für Outdoor Shootings.

Ergänzend zum Video oben für Euch hier noch ein paar Tips und Gedanken in Form einer kleinen Anleitung in 4 Schritten:

Erstelle ein dunkles Grundbild: Über das Schließen der Blende und das Senken der ISO kannst Du Dein Foto abdunkeln. Natürlich kannst Du auch die Verschlusszeit verrringern, hier ist allerdings Vorsicht angesagt, denn wenn Du kürzer belichtest, als die Synchronzeit Deines Blitzes (z.B. 1/200 Sek) es zulässt, bekommst Du entweder schwarze Balken des Verschlusses ins Bild oder Du nutzt die HSS oder Supersync Funktionalität Deines Blitzes, sofern vorhanden. Dann aber hat Dein Blitz ungleich weniger Power, sodass Du Gefahr läufst, Dein dunkles Bild auch mit Blitzen nicht mehr genügend aufhellen zu können. Der bessere Weg ist also über die Blende und die ISO. Der Königsweg bestünde in der Nutzung eines ND-Filters, einer Art Sonnenbrille für Dein Objektiv, mit dem Du das einfallende Umgebungslicht reduzieren kannst. Der ND-Filter macht es möglich, auch offenblendiger zu fotografieren und Unschärfe gezielt einsetzen zu können. Egal welchen Weg Du gehst, am Ende benötigst Du ein dunkles Grundbild, das nur noch diejenigen Elemente erkennen lässt, die Du auch später im Bild in den nicht angeblitzten Bereichen sehen möchtest. Bei mir waren das etwa die Dächer und oberen Stockwerke der Häuser im Hintergrund. Meine genauen Einstellungen siehst im Video beim Blick durch die Kamera. Ich habe keinen ND-Filter genutzt, sondern mehr mit der geschlossenen Blende das Bild abgedunkelt. Auch weil ich durchaus etwas Schärfe im Hintergrund haben wollte.

Es werde Nacht – der richtige Weißabgleich: Um aus dem dunklen Tageslichtbild nun ein nachtähnliches Bild zu machen müssen wir mit dem Weißabgleich der Kamera arbeiten. Der Weißabgleich dient im Grunde dazu, die Kamera für die Lichttemperatur am Aufnahmeort zu sensibilisieren, d.h. die Kamera benötigt Informationen, ob das Licht z.b. eher eine kühlere Temperatur hat also blauer ist (wie z.B. bei der blauen Stunde) oder ob das Licht wärmer ist. Das ist etwa so bei gelblich-orangem Glühlampenlicht abends im Wohnzimmer der Fall. Steht der Weißabgleich oder Whitebalance (WB) auf Automatik, dann passiert das von selbst und in den meisten Fällen sehen die Farben des Bildes dann so aus wie in der Realität. Was wir jetzt tun müssen, um unsere Nachtstimmung zu erhalten ist aber, den Weißabgleich in die Irre zu führen. Wir stellen die WB auf Glühlampenlicht also warmes, gelbliches Licht ein, obwohl wir eigentlich kühleres Tageslicht an unserer Location haben. Die Kamera denkt aber nun, wir hätten warmes Umgebungslicht, das “abgekühlt” werden muss, um weiße Flächen auch wie Weiß und nicht wie Gelb aussehen zu lassen. Der Effekt: Das ohnehin kühlere Licht wird weiter abgekühlt und wird blauer. Da wir Blau aufgrund der blauen Stunde kurz nach Sonnenuntergang und unzähligen Hollywoodfilmen mit Nacht assoziieren funktioniert diese Überlistung der Kamera und wir haben ein nachtähnliches Bild am Tage erstellt.

Ein Blitz nach dem anderen: Wenn Dein Grundbild steht, dann kannst Du damit beginnen, Blitzlicht hinzuzufügen. Wichtig hier, ein Blitz nach dem anderen. Lass Dir Zeit, jeden einzelnen Blitz so auszurichten und die Intensität einzustellen, bis es passt. Mir war es in diesem Motiv wichtig, dass die Assassine lediglich im Gesicht vom Licht der Straßenlaterne beleuchtete wird, während ihr übriger Körper nur durch das simulierte Mondlicht angeschienen werden sollte. Wenn Du merkst, dass Deine Blitze nicht genug Power haben, um Deine Szenerie zu beleuchten, dann kannst Du sie näher ans Motiv heranbringen (Merke: Wenn Du den Abstand von Blitz zu Motiv halbierst, vervierfacht sich die Menge an Licht, die Dein Motiv trifft!). Wenn das nicht mehr möglich ist, dann liegt das ggf. an Deiner sehr kurzen Belichtungszeit (siehe Punkt 1) oder einem zu starken ND Filter.

Better don’t touch your camera settings: Du hast es geschafft, das Setting steht, alle Blitze funktionieren in der richtigen Stärke für Dein Bild. Jede Änderung an Deinen Kameraeinstellungen wirkt sich jetzt ggf. sehr heftig aus, daher merke Dir die Ausgangseinstellungen. Am besten ist es, die Einstellungen so wenig wie möglich zu verändern, wenn das Grundbild mit Blitzen funktioniert. Starte das Shooting, jetzt geht es ums Motiv, um Ausdruck, um Emotion. Denn bei allertechnischen Affinität und Einstellerei bedenke: Shit in – Shit out 😉 Ein gutes Motiv funktioniert auch in einem technisch nicht perfekten Bild. Andersherum klappt das meist nicht.

Final Shot – Fotografiert zur Mittagszeit an einem bewölktem Tag ISO 160 f 9.0 1/125 Sek

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